San Glaser – Beautiful Stranger

Zeit für Veränderungen. San Glaser hat auf ihrem neuen Album, Beautiful Stranger ihr musikalisches Spektrum mutig und gleichermaßen geschmackvoll erweitert.

„Am Ende ist und bleibt es natürlich Jazz. Allerdings Jazz mit neuen Freunden.“ San Glaser muss schmunzeln. „Ich nehme mir einfach die Freiheit heraus, hin und wieder Ecken und Kanten einzustreuen.“ Mit neuen Freunden meint sie Singer / Songwriter und Folk Nuancen. Eine Entwicklung, die Beautiful Stranger  lebendig und aufregend klingen lässt.

San Glasers bisherige Alben bürgen für Qualität der smoothen Art. Never in Vain (2005) und New Road (2009) kletterten in die Top Ten der iTunes Jazz Charts. New Road schaffte es sogar auf Platz 1. Und auch die Kritiken waren durchweg positiv.

„Jedes Album zeigt mich zu einer bestimmten Zeit. Ich betrachte Veränderungen als ganz natürliche Begebenheiten. Und Beautiful Stranger repräsentiert mich schlicht und einfach im Hier und Jetzt.“

San Glaser, Tochter holländisch-indonesischer Eltern, ist im niederländischen Hoogezand-Sappemeer zur Welt gekommen. Ihren Vater lernte sie erst mit fünfzehn Jahren kennen. Er war es, der sie zur Musik brachte. Als Jazz Gitarrist erkannte er das Talent seiner Tochter und schob sie, trotz anfänglicher Schüchternheit,  bei jeder Gelegenheit  auf die Bühne. Vor und nach ihrem Studium am niederländischen Musikkonservatorium nutzte San Glaser jede Möglichkeit, um ihren Traum als Jazz Sängerin zu verwirklichen.

Beautiful Stranger wurde in Eigenregie zusammen mit Arnd Geise und Ulrich Rode (Co-Produzent) aufgenommen. Zusammen mit beiden Kreativ Partnern hat San Glaser auch einige Songs geschrieben.

„Diese Lieder bedeuten mir unglaublich viel. Es sind einfach sehr viele Dinge passiert, die mein Leben beeinflusst haben, während ich die Lieder schrieb.“

Für den Hörer wirkt Beautiful Stranger wie ein fremdes Tagebuch, dass wir zufälligerweise in einem Zug finden. Wir überfliegen einige Seiten und bemerken, dass es die großen Themen des Lebens sind, die das Album beschreibt: Freude, Glück, Sehnsucht, Absturz und schließlich Hoffnung – eingebettet in die hohe Kunst, dem Tiefgang den Schrecken zu nehmen.

Beautiful Stranger bietet abwechslungsreiche Momente. Die attraktive Sängerin präsentiert eine dramatische Reise, die schließlich mit einem niederländischen Abendlied endet. Tracks wie Song For Cera oder Trying klingen wie gesungenes Leid. Songs wie Traveling und More geben Hoffnung. Alles eingebettet in ein dezentes Klangbild, das in manchen Momenten an die Künste von T-Bone Burnett mit einer Prise Prince erinnert.

Man fühlt einfach, dass Beautiful Stranger eine Herzensangelegenheit ist. Es geht um Gefühle und Musik, die sich daraus entwickelt. „Ich zeige mit diesem Album mein Gesicht ohne gekünstelte Maske. Wir alle verbiegen uns hin und wieder. Aber irgendwann ist Schluss. Dann muss alles raus.“

San Glaser ist eine Frau, die bewusst durchs Leben schreitet und weiß, dass manche Tage die Hölle sein können. „Es gibt aber immer Hoffnung. Ich reiste vor kurzem zum ersten Mal nach Indonesien – dem Heimatland meines Vaters. Dort habe ich im Projektdorf des Kinderhilfswerks Plan International mein kleines Patenkind besucht. Das war eine unbeschreiblich schöne und wertvolle Erfahrung. Auf dem Heimweg wusste ich, wie glücklich wir alle sein können, wenn wir uns liebevoll umeinander kümmern.“

Beautiful Stranger ist ein wunderbarer Begleiter, der den Tag gut beginnen und am abends genüsslich ausklingen lässt. San Glasers warme Stimme als roter Faden, schafft den Bogen von Jazz zu Soul, vermischt sich mit Pop, gewährt Folk und Tradition. Und mit How dürfte erneut der Sprung ins Radio klappen. Und natürlich freuen sich San Glaser und ihre Fans auch auf ein baldiges Widersehen auf Tour.

„Die Bühne ist und bleibt ein Abenteuer. Das Publikum ist immer anders. Manche wollen nur die groovigen Songs. Andere mögen auch die ruhigen Sachen. Es ist immer spannend“, lacht San Glaser.

Sie ist, einfach gesagt, eine tapfere Musikerin, die unbeirrt ihren Träumen folgt und wie nebensächlich ehrliche Lieder verfasst, singt und in Eigenregie veröffentlicht. Und fantastisch sind ihre Songs auch noch.

Text: Oliver Schreibvogel

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